GfA - KulturWelten

Dr. Dr. Brigitte E.S. Jansen
Since 08/2025 16 Episoden

Laws of Form

Zum Werk von Peter Deglow

27.08.2025 7 min

Zusammenfassung & Show Notes

 
Peter Deglow wird hier nicht nur als Maler vorgestellt, sondern entscheidend auch als Ingenieur. Diese duale Identität bildet den Kern des konzeptuellen Rahmens der Ausstellung. Der Titel der Ausstellung, „Laws of Form“, ist bewusst doppeldeutig gewählt. Er verknüpft den Begriff sowohl mit der Kunst als auch mit einem spezifischen mathematischen System, das aufgrund seiner Besonderheiten hervorragend zum Sujet und zum Künstler passt. 
Die besondere Bedeutung der doppelten Identität des Künstlers als Maler und Ingenieur ist nicht nur eine biografische Randnotiz; sie prägt vielmehr das konzeptionsbezogene Fundament der gesamten Ausstellung. Die Denkweise eines Ingenieurs ist von Natur aus strukturiert, analytisch und befasst sich häufig mit Systemen und grundlegenden Prinzipien. Im Gegensatz dazu ist die Denkweise eines Malers intuitiv, expressiv und befasst sich mit Form, Farbe und Emotion. Die Vereinigung dieser beiden Denkweisen in einer Person ermöglicht einen einzigartigen Zugang zur Abstraktion, der sowohl konzeptionell rigoros als auch zutiefst intuitiv ist. Diese doppelte Identität befähigt Deglow, die scheinbar disparaten Welten von Kunst und Mathematik zu verbinden. Seine Werke gehen über bloße ästhetische Äußerung hinaus und münden in eine tiefere philosophische Untersuchung der Natur der Realität selbst, wie sie durch Spencer-Browns System erforscht wird. Dies ist somit nicht nur ein Künstler, der ein Konzept verwendet; es ist ein Künstler, dessen gesamtes Wesen den interdisziplinären Dialog verkörpert und eine einzigartige Perspektive auf die „Laws of Form“ bietet. 


Peter Deglow wird hier nicht nur als Maler vorgestellt, sondern entscheidend auch als Ingenieur. Diese duale Identität bildet den Kern des konzeptuellen Rahmens der Ausstellung. Der Titel der Ausstellung, „Laws of Form“, ist bewusst doppeldeutig gewählt. Er verknüpft den Begriff sowohl mit der Kunst als auch mit einem spezifischen mathematischen System, das aufgrund seiner Besonderheiten hervorragend zum Sujet und zum Künstler passt. 
Die besondere Bedeutung der doppelten Identität des Künstlers als Maler und Ingenieur ist nicht nur eine biografische Randnotiz; sie prägt vielmehr das konzeptionsbezogene Fundament der gesamten Ausstellung. Die Denkweise eines Ingenieurs ist von Natur aus strukturiert, analytisch und befasst sich häufig mit Systemen und grundlegenden Prinzipien. Im Gegensatz dazu ist die Denkweise eines Malers intuitiv, expressiv und befasst sich mit Form, Farbe und Emotion. Die Vereinigung dieser beiden Denkweisen in einer Person ermöglicht einen einzigartigen Zugang zur Abstraktion, der sowohl konzeptionell rigoros als auch zutiefst intuitiv ist. Diese doppelte Identität befähigt Deglow, die scheinbar disparaten Welten von Kunst und Mathematik zu verbinden. Seine Werke gehen über bloße ästhetische Äußerung hinaus und münden in eine tiefere philosophische Untersuchung der Natur der Realität selbst, wie sie durch Spencer-Browns System erforscht wird. Dies ist somit nicht nur ein Künstler, der ein Konzept verwendet; es ist ein Künstler, dessen gesamtes Wesen den interdisziplinären Dialog verkörpert und eine einzigartige Perspektive auf die „Laws of Form“ bietet. 

Transkript

Herzlich willkommen! Heute nehmen wir uns die Arbeit des deutschen Künstlers Peter Deglow vor. Basis ist eine Analyse seiner Ausstellung »Laws of Form« von Dr. Brigitte E. S. Jansen. Das wirklich Spannende daran, Deglow ist nicht nur Maler, er ist auch Ingenieur. Wie passt denn das zusammen? Ja, genau das ist eigentlich der Kern. Die Ausstellung, auch der Titel Laws of Form, die spielen ganz bewusst mit dieser Dualität. Es geht um die Schnittstelle, also zwischen intuitiver Kunst und diesem sehr strukturierten, fast logischen Denken. Das wollen wir heute mal beleuchten. Okay, packen wir das mal aus. Unsere Aufgabe für Sie ist es also nachzuvollziehen, wie Deglos abstrakte Kunst, die hat ja Wurzeln im formell, im abstrakten Expressionismus, wie die eine ganz neue Dimension bekommt. Eben durch dieses Konzept Laws of Form von George Spencer Brown. Deglos Stil, der erinnert ja erstmal stark an die Nachkriegsmoderne, oder? Viel Spontanität, gestische Malerei, das Unbewusste als Quelle, er spricht ja auch selbst von Automatismus. Einem Schaffen aus der eigenen Tiefe, das klingt schon sehr nach dieser eruptiven Energie, die man vielleicht vom Actionpainting kennt. Richtig, Dennard steht absolut in dieser Tradition, das Haptische, das Materielle vom Europäischen informell stimmt, aber auch der Fokus auf das Selbst, also auf diese universellen Quellen wie im amerikanischen abstrakten Expressionismus. Doch jetzt kommt der Clou sozusagen. Er verknüpft diese intuitive Herangehensweise ganz explizit mit George Spencer Browns Laws of Form. Okay, Laws of Form. Im Kern geht es da um was ganz Fundamentales. Den Akt der Unterscheidung. Die Idee ist bestechend einfach. Sobald Sie eine Grenze ziehen, irgendein Zeichen setzen und sei es nur ein winziger Punkt auf einem leeren Blatt, entsteht etwas. Aus dem Nichts. Sie schaffen einen Unterschied, definieren ein Innen, ein Außen. Sozusagen. Moment mal, aber wie passt denn so eine formale, ja fast mathematische Idee dieser Unterscheidung zu einem Prozess, den de Glow selbst als intuitiv beschreibt, als automatisch? Ist das nicht ein Widerspruch? Genau, das ist das Faszinierende. Und vielleicht ist das der Punkt, wo der Ingenieur in ihm durchkommt. De Glow sieht da nämlich keinen Widerspruch, eher eine tiefere Verbindung. Die leere Leinwand ist für ihn quasi der unmarkierte Zustand. Spencer Browns nichts. Und jeder Pinselstrich, jede Farbe, die er setzt, ist dann eine solche Unterscheidung. Sie schafft Form, Differenz, Bedeutung. Sein scheinbar rein intuitiver Prozess wird so zur direkten Anschauung dieser Grundidee. Er nennt das ja auch permanente Unterscheidungen. Das wird jetzt wirklich interessant. Können wir das vielleicht an einem Werk festmachen? Wie wäre es mit Tree of Life? Ah ja, perfekt dafür. Sie sehen ja sofort, die Leinwand ist ganz klar zweigeteilt. Blutrot auf der einen Seite, Wasserblau auf der anderen. Getrennt durch eine scharfe vertikale Linie. Stimmt. Das ist die fundamentale Unterscheidung in Reinform sozusagen. Und aus diesen klar getrennten Feldern wächst dann diese Baumsilhouette heraus. Sie überbrückt die Grenze. Spencer Brown hat ja auch formuliert, wie Wiederholung wirkt. Manchmal ändert sie nichts, das Gesetz des Rufens, manchmal transformiert sie, das Gesetz des Überquerens. Ja, hier transformiert die Teilung den Raum radikal. Aus dieser simplen Grenzziehung entsteht plötzlich Komplexität, Symbolik, Leben. Das Gegensätze verbindet. Ganz im Sinne von Spencer Brown. Oder bei Spin, das Werk beschäftigt sich ja sogar mit Teilchenphysik. Ja, bei Spin, da wird die Verbindung noch... abstrakter, noch fundamentaler vielleicht. Es visualisiert ja Verflechtung, Auflösung, unsichtbare Energien, spielt auf Quantentheorien an, Stringtheorien vielleicht sogar. Das ist wie eine Parallele zu Spencer Browns Logik, aber auf kosmischer Ebene. Wie entsteht Struktur aus dem Nichts? Wie interagieren Elemente an den Grenzen unserer Wahrnehmung? Hier sehen wir vielleicht auch Spencer Browns Idee des Wiedereintritts. Reentry nennt er das am Werk. Wiedereintritt? Ja, wenn eine getroffene Unterscheidung zur Bedingung für die nächste wird. Dadurch entsteht dann Zeit, Selbstbezug, Komplexität. Ähnlich wie DeGloia durch wiederholtes Eingreifen die Leere füllt, Schicht um Schicht Bedeutung erzeugt. Es ist fast eine visuelle Hypothese über die Grundstruktur der Realität. Was heißt das nun für Sie als Betrachter, wenn Sie vor so einem Bild stehen? Nun, Deglos Kunst, die fordert Sie heraus, aktiv zu werden. In dieser Abstraktion, in diesem scheinbaren Chaos oder der Leere fangen Sie ja unweigerlich an, Selbstmuster zu suchen. Sie treffen Ihre eigenen Unterscheidungen. Sie werden Teil dieses Prozesses der Sinnstiftung quasi. Vielleicht erkennen Sie darin auch das, was Deglo innere menschliche Landschaften nennt, also Spannungen, Ruhe, Dynamik. Es geht darum, selbst eine Ordnung zu finden oder zu erschaffen. Das Anschauen wird zum Dialog. Gut. Fassen wir mal zusammen. Peter Deglers Werk ist also deutlich mehr als nur abstrakte Malerei. Indem er seine Perspektiven, Ingenieur und Künstler zusammenführt und die Laws of Form als Denkfigur nutzt, wird seine Kunst zu einer Art Erkundung. eine Erkundung der Wirklichkeit, der Wahrnehmung und wie wir durch diesen einfachen Akt des Unterscheidens Bedeutung generieren. Es zeigt wirklich eindrücklich, wie künstlerische Intuition und ein logisches System sich eben nicht ausschließen müssen, sondern sich gegenseitig befruchten können. Um über ganz grundlegende Fragen nachzudenken über Sichtbares und Unsichtbares, Bewusstes, Unbewusstes und wie eben aus einfachsten Setzungen komplexe Welten entstehen können. Und damit geben wir Ihnen noch eine letzte Anregung mit auf den Weg. Zum Weiterdenken. Wenn jeder Pinselstrich eine Unterscheidung ist, die eine Welt erschafft, welche Unterscheidungen treffen Sie denn jeden Tag? Bewusst oder vielleicht auch unbewusst? Und wie formen diese Ihre ganz eigene Realität?