Tango Argentino – Sonderfolge Weltfrauentag
Die unsichtbaren Königinnen: Frauen im argentinischen Tango
08.02.2026 25 min
Zusammenfassung & Show Notes
In dieser Sonderfolge zum Weltfrauentag stellen wir die Frauen des Tangos ins Zentrum – nicht als Randfiguren, sondern als Protagonistinnen. Wir erzählen die oft übersehenen Geschichten von Tänzerinnen, Sängerinnen, Musikerinnen und Organisatorinnen, die den Tango von seinen Anfängen bis heute geprägt haben. Von den legendären frühen Tänzerinnen wie La Paulina und Lola Candales über Pionierinnen wie Azucena Maizani und Paquita Bernardo bis zu den großen Stimmen des Goldenen Zeitalters – Libertad Lamarque, Tita Merello, Nelly Omar. Wir beleuchten die komplexen Geschlechterdynamiken im Tango-Tanz, die Rolle der Frau zwischen Objekt und Subjekt, und würdigen die oft unsichtbare organisatorische und pädagogische Arbeit von Frauen in der Tango-Community. Eine Folge über Widerstand, Kreativität und die Macht, die eigene Geschichte zu schreiben.
Transkript
Hallo und herzlich willkommen zu einer
ganz besonderen Folge von GFA
Kulturwelten. Ich bin Brigitte und heute,
zum Weltfrauentag, machen wir etwas, was
in der Tango-Geschichte viel zu selten
passiert. Wir stellen die Frauen ins
Zentrum. Nicht als Nebenfiguren, nicht als
Musen oder Inspirationen für männliche
Genies, sondern als die Protagonistinnen,
die sie waren und sind. Denn hier ist die
Sache. Wenn man die klassischen
Tango-Geschichten liest, dann geht es
meistens um Gardel, D'Arienzo, Pugliese,
Piazzolla. Alles Männer. Die Frauen
tauchen auf als – ja, als was eigentlich?
Als Sängerinnen manchmal, als Tänzerinnen
in schönen Kleidern, als die mythische
Milongita in den Liedtexten, das gefallene
Mädchen aus dem Barrio. Aber ihre eigenen
Geschichten, ihre künstlerische
Eigenständigkeit, ihre Kämpfe und Erfolge,
darüber wird deutlich weniger gesprochen.
Und das ist nicht nur ungerecht, sondern
auch historisch falsch. Frauen waren von
Anfang an zentral für den Tango. Nicht
trotz, sondern wegen der patriarchalen
Strukturen dieser Zeit haben sie Räume
geschaffen, Formen gefunden, ihre Stimmen
hörbar zu machen. Und genau darum geht es
heute. Ich muss zugeben, als ich
angefangen habe, dazu zu recherchieren,
war ich überrascht, wie viele
faszinierende Geschichten da sind. Und
gleichzeitig auch ein bisschen frustriert,
weil vieles einfach schlecht dokumentiert
ist. Aber gut, das ist ja oft so mit
Frauengeschichte, oder? Also, lasst uns
eintauchen in die Welt der Tänzerinnen,
Sängerinnen, Komponistinnen und
Milongeras. Lasst uns die unsichtbaren
Königinnen des Tangos sichtbar machen. Die
Anfänge Frauen in den Konventius und
Tanzlokalen Gehen wir zurück an den
Anfang, Ende des 19. Jahrhunderts. Buenos
Aires, die Hafenviertel, die Konventius,
diese Mietskasernen, wo oft 20, 30
Familien auf engstem Raum zusammenlebten.
Und mittendrin der Tango, der gerade dabei
war, sich als Tanzform zu entwickeln.
Jetzt gibt es diese klassische Erzählung,
dass der Tango am Anfang ein reiner
Männertanz war. Dass Männer miteinander
geübt haben in den Hinterhöfen, bevor sie
sich in die Bordelle getraut haben, um mit
Prostituierten zu tanzen. Und ja, daran
ist auch etwas Wahres. Aber, und das wird
oft übersehen, Frauen waren trotzdem von
Anfang an dabei, nur eben unter anderen
Bedingungen. Die Frauen in den Tanzlokalen
und Bordellen waren natürlich oft
Sexarbeiterinnen, das muss man klar
benennen. Aber gleichzeitig waren sie auch
Tänzerinnen, Expertinnen. Sie kannten die
Codes, die Schritte, die Improvisationen.
Sie waren diejenigen, die den Männern
beibrachten, wie man sich bewegt, wie man
führt, wie man die Musik interpretiert. Es
gibt diese Geschichten über legendäre
Tänzerinnen aus dieser frühen Zeit, Namen
wie La Paulina, Lola Candales, La Parda
Refugilo. Ob all diese Geschichten
stimmen? Schwer zu sagen, vieles ist
Mythos. Aber was interessant ist, dass
überhaupt Mythen über sie entstanden sind.
Das zeigt doch, dass diese Frauen eine
Präsenz hatten, eine Bedeutung, die über
das Offensichtliche hinausging. La Paulina
zum Beispiel soll eine unglaubliche
Tänzerin gewesen sein, Ende der 1880er,
Anfang der 1890er. Die Männer kamen
angeblich von weit her, nur um mit ihr zu
tanzen. Sie hatte ihren eigenen Stil, ihre
eigene Interpretation. Und, das ist
wichtig, sie hatte die Macht zu
entscheiden, mit wem sie tanzt und mit wem
nicht. Das ist so ein Punkt, über den ich
viel nachgedacht habe. Handlungsmacht.
Klar, Die Frauen waren in sehr
eingeschränkten, oft ausbeuterischen
Verhältnissen. Aber innerhalb dieser
Verhältnisse fanden sie Wege, Kontrolle
auszuüben, Entscheidungen zu treffen,
Kunst zu machen. Das ist komplex, nicht
schwarz-weiß. Und genau diese Komplexität
müssen wir aushalten, wenn wir diese
Geschichte erzählen wollen. Die erste
Revolution – Frauen auf der Bühne Dann, in
den 1910er, 1920er Jahren, passiert etwas
Entscheidendes. Der Tango wird
respektabel. Er kommt aus den Bordellen
raus, geht nach Paris, kommt zurück als
salonfähig. Und das eröffnet neue Räume
für Frauen. Plötzlich gibt's
Bühnenauftritte, Varietés, Revuen. Und da
treten Frauen auf. Als Tänzerinnen. Aber
nicht mehr in der marginalisierten
Position wie vorher. Jetzt sind sie Stars.
Sie haben Namen, Karrieren, Fans. Eine der
frühen großen Figuren war Juana La Morocha
Pabón. Sie tanzte in den 1920ern in den
großen Shows und sie war bekannt für ihren
eleganten, aber gleichzeitig
leidenschaftlichen Stil. Was interessant
ist, sie hat auch choreografiert, hat
Shows mitgestaltet. Das war nicht nur
passive Performance, sondern kreative
Arbeit. Aber der Durchbruch für Frauen kam
eigentlich mit dem Tango Canción, dem
gesungenen Tango. Und da müssen wir über
eine absolute Pionierin sprechen, Azucena
Maizani. Maizani war unglaublich. Sie hat
in den 1920ern angefangen, professionell
zu singen, und sie war eine der ersten
Frauen, die wirklich erfolgreich Tango
gesungen hat. Vorher war das ja Gardells
Domäne, Männersache. Maizani hat das
aufgebrochen. Sie hatte diese kraftvolle,
ausdrucksstarke Stimme und sie sang nicht
nur süßliche Romanzen, sondern auch die
rauen, melancholischen Tangos. Sie sang
von Schmerz, von Verlust, von der Straße.
Und, das finde ich besonders spannend, sie
trat oft in Männerkleidung auf. Smoking,
Hut, das ganze Programm. Das war natürlich
teilweise Performance, aber es war auch
ein Statement. Eine Aneignung männlicher
Codes, ein Spiel mit Genderrollen. Man
könnte sagen, sie war ihrer Zeit weit
voraus. Es gibt von ihr Aufnahmen aus den
späten Zwanzigern, frühen Dreißigern,
Chipapusa, Oí zum Beispiel. Wenn man das
hört, versteht man sofort, warum sie so
eine Sensation war. Das ist nicht die
konventionelle weibliche Stimme, die
damals erwartet wurde. Das ist Macht,
Präsenz. Die goldenen Stimmen Sängerinnen
des goldenen Zeitalters In den 30ern,
40ern, 50ern, dem goldenen Zeitalter, gab
es dann eine ganze Reihe großartiger
Sängerinnen. Und jetzt muss ich ehrlich
sagen, diese Frauen haben oft nicht die
Anerkennung bekommen, die sie verdient
hätten. Da war Libertad Lamarck, die nicht
nur gesungen, sondern auch in Filmen
gespielt hat. Sie war ein riesiger Star in
Argentinien und später in Mexiko. Ihre
Version von Madre Selva ist – ich weiß
nicht, wie ich das beschreiben soll – es
ist so voller Emotion, so präzise in der
Phrasierung. Sie konnte mit ihrer Stimme
Geschichten erzählen. Tita Merello war
eine andere. Sie kam wirklich aus dem
Barrio, aus einfachen Verhältnissen, und
sie hat das nie versteckt. Ihr Gesang
hatte diese Authentizität, diese
Erdverbundenheit. Und sie war auch
Schauspielerin, eine der ganz Großen im
argentinischen Kino. Cediche de Mie, das
ist typisch Mirello. Selbstbewusst,
direkt, mit einer gewissen Provokation.
Und dann Nelly Omar. Omar hat über
Jahrzehnte gesungen, von den 30ern bis in
die 2000er. Sie war bekannt für ihre
poetische Interpretation, für die Art, wie
sie mit Texten umging. Bei ihr wurden die
Tango-Lieder zu – fast zu Kunstliedern,
wenn man das so sagen kann – sehr
durchdacht, sehr sensibel. Was diese
Sängerinnen gemeinsam hatten, sie haben
die weibliche Perspektive in den Tango
gebracht. Die Texte waren ja meistens von
Männern geschrieben, über Frauen. Aber
wenn eine Frau diese Texte singt, dann
kippt die Bedeutung. Plötzlich ist es
nicht mehr der Mann, der über die
verlassene Frau singt, sondern die Frau
erzählt ihre eigene Geschichte. Das ist
ein riesiger Unterschied. Ein Beispiel.
Malena von Homero Manzi. Wenn das ein Mann
singt, ist es ein Lied über eine traurige
Frau. Wenn es eine Frau singt, und es
wurde von vielen großen Sängerinnen
interpretiert, wird es zu einem Lied über
weibliche Melancholie, über die eigene
Traurigkeit. Die Frau wird vom Objekt zum
Subjekt der Erzählung. Die Ausnahme,
Paquita Bernardo und das Bandonion. Jetzt
wird's richtig interessant. Denn wir
müssen über Paquita Bernardo sprechen und
die Geschichte ist, sie ist frustrierend
und faszinierend zugleich. Bernardo,
geboren 1900, war die erste professionelle
Bandoneonistin im Tango. Vielleicht sogar
weltweit eine der ersten Frauen, die
professionell Bandoneon gespielt hat. Und
sie war nicht nur irgendwie okay, sie war
gut, richtig gut. Sie hat komponiert, hat
eigene Stücke geschrieben, ist mit
Orchestern aufgetreten. Aber – und hier
kommt das Frustrierende – ihre Karriere
war kurz. Sie ist 1925 gestorben, mit
gerade mal 25 Jahren. Und danach? Danach
war sie mehr oder weniger vergessen für
Jahrzehnte. Das Bandonion galt als
Männerinstrument. Diese Vorstellung war so
stark, dass Frauen praktisch
ausgeschlossen waren. Nicht offiziell
vielleicht, aber faktisch. Und Bernardo
war die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Ich habe versucht, Aufnahmen von ihr zu
finden, aber es ist schwierig. Vieles ist
verloren. Was bleibt, sind ein paar
Kompositionen, ein paar Zeitungsartikel,
Erinnerungen. Und die Tatsache, dass sie
es überhaupt geschafft hat, in dieser
männlich dominierten Welt Fuß zu fassen,
ist bemerkenswert. Was mich daran so
beschäftigt, aus systemtheoretischer
Sicht, ist diese Frage, was passiert, wenn
jemand eine Grenze überschreitet, die
eigentlich nicht überschreitbar sein
sollte? Das System kann darauf reagieren,
indem es die Person assimiliert, sie zur
Ausnahme erklärt oder indem es sie
ausstößt. Bei Bernardo war es beides
irgendwie. Sie wurde gefeiert, aber auch
marginalisiert. Und nach ihrem Tod wurde
sie unsichtbar gemacht. Es hat übrigens
Jahrzehnte gedauert, bis wieder eine Frau
prominent Bandoneon im Tango gespielt hat.
Erst in den letzten Jahren gibt es wieder
vereinzelt Musikerinnen, die sich diesem
Instrument widmen und damit die Barriere,
die Bernardo durchbrochen hatte, erneut
durchbrechen müssen. Die Ausnahme? Paquita
Bernardo und das Bandoneon. Jetzt wird's
richtig interessant. Denn wir müssen über
Paquita Bernardo sprechen und die
Geschichte ist, sie ist frustrierend und
faszinierend zugleich. Bernardo, geboren
1900, war die erste professionelle
Bandoneonistin im Tango. Vielleicht sogar
weltweit eine der ersten Frauen, die
professionell Bandoneon gespielt hat. Und
sie war nicht nur irgendwie okay, sie war
gut, richtig gut. Sie hat komponiert, hat
eigene Stücke geschrieben, ist mit
Orchestern aufgetreten. Aber, und hier
kommt das Frustrierende, ihre Karriere war
kurz. Sie ist 1925 gestorben, mit gerade
mal 25 Jahren. Und danach? Danach war sie
mehr oder weniger vergessen für
Jahrzehnte. Das Bandonion galt als
Männerinstrument. Diese Vorstellung war so
stark, dass Frauen praktisch
ausgeschlossen waren. Nicht offiziell
vielleicht, aber faktisch. Und Bernardo
war die Ausnahme, die die Regel bestätigt.
Ich habe versucht, Aufnahmen von ihr zu
finden, aber es ist schwierig. Vieles ist
verloren. Was bleibt, sind ein paar
Kompositionen, ein paar Zeitungsartikel,
Erinnerungen. Und die Tatsache, dass sie
es überhaupt geschafft hat, in dieser
männlich dominierten Welt Fuß zu fassen,
ist bemerkenswert. Was mich daran so
beschäftigt, aus systemtheoretischer
Sicht, ist diese Frage, was passiert, wenn
jemand eine Grenze überschreitet, die
eigentlich nicht überschreitbar sein
sollte. Das System kann darauf reagieren,
indem es die Person assimiliert, sie zur
Ausnahme erklärt oder indem es sie
ausstößt. Bei Bernardo war es beides
irgendwie. Sie wurde gefeiert, aber auch
marginalisiert. Und nach ihrem Tod wurde
sie unsichtbar gemacht. Es hat übrigens
Jahrzehnte gedauert, bis wieder eine Frau
prominent Bandoneon im Tango gespielt hat.
Erst in den letzten Jahren gibt es wieder
vereinzelt Musikerinnen, die sich diesem
Instrument widmen und damit die Barriere,
die Bernardo durchbrochen hatte, erneut
durchbrechen müssen. Die Tänzerinnen
zwischen Objekt und Subjekt Kommen wir zu
den Tänzerinnen der späteren Jahre. Und
hier müssen wir über eine grundlegende
Spannung sprechen, die bis heute
existiert. Die Rolle der Frau im
Tango-Tanz. Der Tango ist ja ein Paartanz
mit traditionell festgelegten Rollen. Der
Mann führt, die Frau folgt. Das ist die
Regel, die über Jahrzehnte gegolten hat
und in vielen traditionellen Kontexten
immer noch gilt. Und natürlich spiegelt
das patriarchale Strukturen wieder. Aber
gleichzeitig, und das ist wichtig, ist die
Rolle des Folgens im Tango nicht passiv.
Eine gute Tanguera, eine gute Tänzerin,
folgt nicht einfach blind. Sie
interpretiert, sie antwortet, sie bringt
ihre eigene Musikalität ein. Der Tanz
entsteht im Dialog zwischen beiden
Partnern. Es gibt diese wunderbare
Tänzerin, Maria Nieves, die mit Juan
Carlos Copes jahrzehntelang getanzt hat.
Die beiden waren ein ikonisches Paar,
haben in Tango Argentino 1983 mitgewirkt,
haben weltweit Tango bekannt gemacht. Und
Nieves hat in Interviews immer wieder
betont, ja, Copes führt, aber ich
entscheide, wie ich darauf antworte. Ich
bin nicht seine Marionette. Das ist so
eine feine, aber wichtige Unterscheidung.
Die Strukturen sind patriarchal, aber die
Praxis kann subversiv sein. Frauen haben
Wege gefunden, innerhalb dieser Strukturen
Autonomie zu behaupten. Natürlich gibt es
auch die andere Seite, Frauen als Objekte
auf der Bühne, als Dekoration, als
sexualisierte Körper. Das ist ein Problem
im Tango bis heute. Die
Hochbeinkoreografien, die knappen Kostüme
in manchen Shows, das ist oft Male Gaze
pur, Inszenierung für den männlichen
Blick. Aber wieder, es ist komplex. Manche
Tänzerinnen nutzen genau diese Codes
bewusst, spielen damit, subvertieren sie.
Andere nicht. Es gibt nicht die eine
Wahrheit über Frauen im Tangotanz.
Interessant ist auch die Entwicklung der
Tango-Technik für Frauen. In den frühen
Jahren gab es wenig formale Ausbildung.
Frauen lernten auf der Tanzfläche, durch
Beobachtung, durch Ausprobieren. Aber im
Laufe der Jahrzehnte entstanden auch für
Frauen systematische Unterrichtsmethoden,
Techniken, Theorien über
Gewichtsverlagerung, Achsenführung,
Verzierungen. Die Adornos, die
Verzierungen, die Frauen beim Tanzen
machen, sind ein gutes Beispiel. Anfangs
galten sie als spontane, intuitive
Ergänzungen. aber sie sind genauso
durchdacht und technisch anspruchsvoll wie
die Führungsarbeit der Männer. Sie sind
eine eigene Kunstform, eine eigene
Sprache. Was wir lernen können
Perspektiven und Systeme Also, was nehme
ich mit aus dieser Recherche, aus diesen
Geschichten? Erstens, Geschichte ist immer
eine Frage der Perspektive. Die
Standarderzählung über Tango ist männlich
dominiert, weil sie von Männern
geschrieben wurde, weil männliche
Leistungen als wichtiger galten, weil
Frauen systematisch marginalisiert wurden.
Aber wenn wir genauer hinschauen, Mit
anderen Fragen, mit anderen Methoden, dann
sehen wir ein viel reicheres, viel
komplexeres Bild. 2. Und hier wird's ein
bisschen theoretisch, sorry. Aus
systemtheoretischer Sicht ist interessant,
wie Geschlecht als Code im System Tango
funktioniert. führen-folgen, aktiv-passiv,
kreativ-reproduzierend, diese binären
Zuschreibungen strukturieren das System.
Aber sie sind nicht natürlich, sie sind
konstruiert. Und sie können verändert
werden. 3. Die Geschichten dieser Frauen
sind nicht nur historisch interessant, sie
sind politisch relevant. weil sie zeigen,
wie kulturelle Formen patriarchale
Strukturen reproduzieren können. Aber
auch, wie Frauen Widerstand leisten, Räume
erobern, Normen verschieben. Das ist nicht
abgeschlossen. Das passiert jetzt, heute,
in jeder Milonga weltweit. Und viertens,
wir müssen aufhören, Ausnahmen als solche
zu behandeln. Paquita Bernardo war nicht
die Ausnahme, sie war eine Musikerin.
Azucena Maizani war nicht die erste
weibliche Tango-Sängerin, sie war eine
Sängerin. Wenn wir Frauen immer als
Ausnahmen, als Besonderheiten markieren,
machen wir das Männliche zur Norm. Das
müssen wir durchbrechen. Die Zukunft
schreiben Ich wünschte, ich könnte euch
sagen, und dann kam der Moment, wo alles
gleich wurde, wo Frauen und Männer im
Tango gleichberechtigt waren. Aber das
wäre gelogen. Wir sind noch nicht
angekommen. Aber wir bewegen uns. Es gibt
mehr Sichtbarkeit für Frauen im Tango als
je zuvor. Es gibt mehr Diskussionen über
Geschlechterrollen, über
Gleichberechtigung, über die Anerkennung
weiblicher künstlerischer Arbeit. Es gibt
junge Generationen von Tänzerinnen und
Musikerinnen, die nicht bereit sind, die
alten Hierarchien einfach zu akzeptieren.
Und die Geschichten, die wir heute erzählt
haben, von Azucena Maizani bis Maria
Nieves, von Paquita Bernardo bis Susana
Rinaldi, diese Geschichten sind Teil des
kulturellen Gedächtnisses. Sie
inspirieren, sie ermutigen, sie zeigen, es
war immer möglich. Frauen haben immer
Tango gemacht, auf ihre Weise, gegen alle
Widerstände. Zum Weltfrauentag möchte ich
sagen, lasst uns diese Geschichten weiter
erzählen. Lasst uns die unsichtbaren
Königinnen sichtbar machen. Lasst uns
fragen, wessen Stimmen fehlen noch? Wessen
Leistungen werden noch übersehen? Der
Tango gehört allen. Er gehört den Frauen
genauso wie den Männern. Er gehört denen,
die tanzen, denen, die singen, denen, die
komponieren, denen, die organisieren.
allen, die ihn lieben und weitertragen.
Und vielleicht, hoffentlich, werden in 20,
30 Jahren die jungen Leute, die sich für
Tango-Geschichte interessieren, diese
Episode hören und denken, wow, war das
wirklich so? Musste man wirklich extra
betonen, dass Frauen wichtig waren? Weil
es dann selbstverständlich sein wird. Das
wäre schön. Das war Brigitte für GFA
Kulturwelt. Tango. cool-gfa